Die gestellten Fragen sind diejenigen, deren Antworten für den nächsten Schriftsatz an das Gericht benötigt werden.

1.       Welche  THG-Emissionen sind zu erwarten, wenn der Moorkörper durch eine Vorlastschüttung zur Entwässerung des Porenraumes  zusammengedrückt wird und nach oben über  Vertikaldrainagen im-1m-Raster entwässern? Kann der Anteil der Huminstoffe im Porenwasser nährungsweise abgeschätzt werden und benannt werden in welchen Größenordnungen  dabei THG-Emissionen entstehen können?

 

2.       Welche biochemischen Vorgänge sind in einem Niedermoorboden zu erwarten, wenn er durch eine Vorlastschüttung zusammengepresst wird und durch Vertikaldrainagen  entlang des Hangfußes in Gräben entwässert?

 

3.       Welche hydrologischen- physikalischen Auswirkungen sind zu erwarten, wenn die Vorlastschüttungen  und die Straße den Moorkörper dauerhaft entlang des Hangfußes verdichten?

 

4.       Was bedeutet das Abteufen der Vertikaldrainagen und Stopfsäulen im 1-m-Raster für die THG-Mobilisierung und Freisetzungen?

 

5.       Kann die zu erwartende Menge der THG-Emissionen durch den Druck der Vorlastschüttung und die Vertikaldrainage in irgendeiner Form  quantifiziert werden, um der Behauptung eines "weitgehenden" Erhalts der Treibhausgas-Senkenfunktion des Niedermoorbodens im Trassenbereich entgegenzutreten. Falls das nicht möglich ist, was muss getan werden um diese Emissionen zu quantifizieren.

 

6.       Kann abgeschätzt werden, ob ein Verzicht auf die Vertikaldrainage erheblich geringere CO2eq-Emissionen zur Folge hätte

 

7.       Können die THG-Freisetzung durch die geplanten Stopfsäulen im Bereich des basischen Zwischenmoors an der Müritz-Havel-Wasserstraße in irgendeiner Form  abgeschätzt werden?

 

8.       Was bedeutet eine Wiedervernässung des Niedermoorbodens biochemisch und bezogen auf die THG-Emissionen  auch im Zusammenhang mit Ausgleichsmaßnahmen?

 

Zur weiteren Information:

Der Kontext der Eingriffe im Starsower Niedermoor

Mirow soll auf Grund der innerstädtischen Belastungssituation durch eine Bundesstraße eine Ortsumgehung erhalten. Der südliche Abschnitt der geplanten Vorzugstrasse, die jetzt planfestgestellt werden soll, führt zu mindestens 20% durch eine Landschaft, die überwiegend durch Niedermoorboden geprägt ist, im Bereich der Querung der Müritz-Havelwasserstraße soll auch ein kleines basisches Zwischenmoorböden überbaut werden. Die hinsichtlich Klima-, Wasser, Biodiversitätsschutz wertvollen Böden sollen nicht nur mit  bis zu 6 m hohen Dämmen langfristig versiegelt werden sondern der Baugrund soll im Bereich der teilweise tiefgründigen Moorböden durch eine vertikal drainierte Vorlastschüttung verdichtet werden, und damit zerstört werden.

 

Einschätzung zum Trassenverlauf und zu unmittelbar geplanten Vorlastschüttung über Moorboden:

Der Verlauf der Ortsumgehung Mirow auf der vom Straßenbauamt ausgewählten Trasse 3bpf verläuft durch eine in vielerlei Hinsicht ökologisch wertvolle Landschaft. Geprägt ist der Bereich durch eine Niederung, die von Mitte des 20ten Jahrhunderts durch diverse Gräben entwässert wurde. Der Hauptgraben, der sog. Pechgraben, entwässert auch den westlich der Landstraße L25 gelegenen Schulzensee Richtung Müritz-Havel Wasserstraße und verläuft vertieft, parallel zur Ortslage Starsow östlich der L25 am Hang entlang durch eine offene Flur. Das Grabensystem entwässert seit Jahrzehnten einen Bereich mit wertvollen Niedermoorböden.  Die vorgesehene Ortsumgehung Mirow (Südabschnitt ) verläuft zunächst über ca. 500 m parallel des Grabens und der Ortslage Starsow im unteren bis mittleren  Bereich des Hanges und quert östlich der Ortslage Mirow das Grabensystem mit Niedermoorboden zentral auf ca. 400 m (s. dazu Konfliktkarte „2022-11-12 Vorlastschüttung markiert Starsowniederung 1A.pdf“) . Im Bereich der Müritz-Havel-Wasserstraße wird erneut Moorboden überbaut, dabei handelt es sich partiell um ein basisches Zwischenmoor (s. dazu Lage plan „Basen_ZwMoor_12_1_ Markierung basisches Zwischenmoor.pdf“). In diesem Bereich soll die Baugrundstabilität durch Stopfsäulen erreicht werden (s. dazu Begründung „ 12.6 S. Allge.Zusammenfassung Baugrund Stopfsäule Vorlastschüttung.pdf“). Der Zwischenmoorboden soll anschließend mit einem Damm aufgeschüttet und damit, wie die anderen Bereiche, dauerhaft versiegelt werden.

 

Mit einer Vorlastschüttung auf ca. 900 m entlang des Pechgrabens soll laut Planfeststellungs-beschluss der Untergrund für die Straße stabilisiert werden und gleichzeitig verhindert werden, dass klimaschädliche Treibhausgase vor der Versiegelung durch die Straße entweichen können. Gleichzeitig sollen durch Vertikaldrains die Setzungszeit auf ein Jahr verkürzt werden. (s. dazu Anhang „2022-12-10 Umweltf- Altern DN3.1.pdf“; „2022-12-10 Umweltf- Altern DN4.1.pdf“;  „2022-12-10 Umweltf- Altern DN4.2 .pdf“).  Der Flächen- und Funktionsverlust sollen durch einen Maßnahmenkomplex im Bereich Grabowhöfe nördlich von Waren kompensiert werden (s. dazu „2022-12-10 Umweltf- Altern DN5.pdf“v). Auf Grund dieser Maßnahmen wird davon ausgegangen, dass der bestmögliche Klima-, Gewässer-, Natur- und Bodenschutz gegeben. Das StALU Mecklenburgische Seenplatte hat  die CO2-Freisetzung bei Ausbaggerung des Niedermoorbodens für die OU Mirow au 100.000 – 250.000 t geschätzt

 

Bislang erfolgte Stellungnahmen im Klageverfahren gegen den Bau der Straße

Im Rahmen des Klageverfahrens wurden sowohl von der Planungsbehörde, als auch durch unseren Rechtsanwalt Schriftsätze ausgetauscht, die die jeweilige Sicht auf die geplanten Maßnahmen darstellen und belegen sollen. Dazu hier Auszüge aus dem Schriftsatz vom 27.02.2023, die die Problematik der Vorlastschüttung mit Vertikaldrainage umreißt und die jeweiligen Antworten von Prof. Dr. Jurasinski darstellt:

 

Die Behörde schrieb:

„Während durch den Bodenaustausch die im Moorkörper gebundenen Treibhausgase freigesetzt werden, bleiben diese bei der Überschüttung im Boden und werden dauerhaft durch Überbauung mit dem späteren Straßendamm gesichert.“

 

Herr Jurasinski schrieb dazu:

„Bei einer solchen starken vertikalen Belastung ist von einer dauerhaften Schädigung des Torfgefüges auszugehen. Dabei wird sehr wahrscheinlich unter der Schüttung aber natürlich auch seitlich davon insbesondere auch in Verbindung mit der Querdränung Kohlenstoff in Form von POC (Particulate Organic Carbon) und DOC (Dissolved Organic Carbon) verlagert. Dadurch wird Kohlenstoff aus stärker gebundenen Formen in leichter verfügbare Formen überführt. In letzterer Form steht er der mikrobiellen Zersetzung deutlich besser zur Verfü-gung und wird diese beschleunigen. Das wird zum einen am und um den Damm passieren. Zusätzlich wird wahr-scheinlich massiv POC und DOC durch die Querdränung in angrenzende Vorflut verlagert und auf dem Weg und in Gräben, in der Havel oder durchströmten Seen umgesetzt und letztlich auch in die Atmosphäre abgegeben.

 

Direkt am Damm wird das wegen der starken Drainage wahrscheinlich hauptsächlich als CO2 emittiert. Auf dem weiteren Verlagerungsweg kommt es immer auf die Bedingungen an. Im gut belüfteten Wasser wird es hauptsächlich zu CO2 umgesetzt werden. Wenn es ruhiger ist, kann insbesondere sedimentierender POC aber auch DOC, wenn im geschichteten Wasser nach Aufbrauchen des Sauerstoffs und anderer Oxidationsmittel (Bspw. Nitrat oder Eisen) anaerobe Verhältnisse vorherrschen, auch zu erhöhten CH4 -Emissionen aus den Gewässern führen. Durch die Verlagerung von Kohlenstoff und Stickstoff (deutliche Erhöhung auch hier wahrscheinlich) besteht außerdem die Gefahr der Überdüngung angrenzender Gewässer, die sicher bereits jetzt mit hohen Nährstofffrachten zu kämpfen haben.“

 

Behauptung des Vorhabenträgers in Antwort vom 20.1.23 S.15 Abs.3. und 4:

„Das verdrängte Wasser ist der Bestandteil des IST-Oberflächenwasserkörpers und verändert sich durch das Vorhaben überhaupt nicht mit Ausnahme des durch die Vertikaldrainage verursachten schnelleren Weiterfließens als ohne, dann auch ohne Vorhaben befindet sich das im Niedermoor anzutreffende Wasser in dauern- dem Austausch/ Bewegung innerhalb des gesamten Wasserkörpers.“

 

Einschätzung der Bürgerinitiative

Die Entwässerung des Moores über Vertikaldrainagen führt nicht zu einem wesentlich schnellerem Weiterfließen des Oberflächenwassers in der Starsower Flur. Aber der zusammengepresste und eingesenkte Moorkörper im Bereich der Vorlastschüttung parallel und am Hangfuß zu dem entwässernden Pechgraben in der Flur wird dauerhaft die oberflächennahe Hangentwässerung erheblich stören, wenn nicht sogar völlig unterbrechen, da ggf. vorhandene preferenzielle Fließwege, die dem hydrodynamischen Druckgradienten folgen, durch die Vorlastschüttung in der Flur zerstört werden (Autorin Dohme- Wigger , Dipl Geophys basierend auf „A review of the effects of vehicular access roads on peatland ecohydrological processes, Jessica Williams-Mounsey*, Richard Grayson, Alistair Crowle and Joseph Holden)

 

Behauptung des Vorhabenträgers in Antwort vom 20.1.23 S.15 Abs.8:

„Den Anforderungen einer überschlägigen Prüfung dürfte die reine Logik der Physik, die sich aus der gewählten Technologie und den Parametern des Dammes in der Starsowniederung ermitteln läßt und der örtlichen Hydrogeologie angepaßt bemaßt ist, genügen.“

 

Die Bürgerinitiative schreibt dazu:

Die Behörde geht fehl in der Annahme, dass sich der Oberflächenwasserkörper hydrologisch oder chemisch durch die erheblichen Eingriffe nicht verändert. Sie setzt sich gar nicht mit den angestoßenen Vorgängen auseinander. Das extrem langsam nachfließende Wasser aus den Vertikaldrains kann keinen hydrodynamischen Effekt erzeugen. (s.o. Antwort der Behörde in der Antwort der Straßenbaubehörde vom 20.01.23 “ schnelleres Weiterfließen als ohne Vertikaldrainage“). Für den gesamten Wasserkörper, wird die Fließbewegung in der Starsow Niederung in der Unterlage Erläuterungsbericht 12.6 S. N29 mit 0,25 m/d als gering im gesamten Wasserkörper bezeichnet, so dass auch das mit Huminstoffen gesättigte Drainwasser an der Oberfläche nicht schnell abgeführt wird und genügend Raum und Zeit verbleibt, dass die in den Drainwasser enthaltenen Huminstoffe zu CO2eq in nicht unerheblichen Mengen umgesetzt werden (s. dazu unten in diesem Text Erläuterung zum Thema Wiedervernässung (Nadine Tauchwitz et al,Thelma40 ,2010)). Es wird in den Planunterlagen auch nicht zumindest überschlägig in die komplizierte Hydrodynamik eines wassergesättigten, zusammengedrückten Moorkörper entlang eines Hangfußes parallel zum entwässernden Graben eingegangen, sondern nur verbal argumentativ (s. Antwort Vorhabenträger vom 20.01.2023 S.15) mit der “ überschlägigen Prüfung der reinen Logik der Physik“ weggewogen. Die Behörde hat zum Thema der Hydrologie in der Starsower Flur ein Gutachten erstellen lassen, welches jedoch nicht auf die oben dargestellte Vorlastschüttung mit Vertikaldrainage abschließend eingeht.

 

Herr Prof . Dr. Jurasinski führt dieses Statement der Behörde in seiner Email vom 16.02.2022 zu folgender Einschätzung:

„Offensichtlich ist nicht klar, dass wir es in organischen Böden mit einem eng verwobenen Komplex aus physikalischen und biogeochemischen Prozessen zu tun haben.“

 

Der Rechtsanwalt führt aus:

Neben der nicht ausreichenden Berücksichtigung der hydrologischen Auswirkungen der Vorlastschüttung mit Vertikaldrainage, wird auch die damit einhergehende Veränderung der Biogeochemie im Torfkörper vom Vorhabenträger nicht in die Klimaschutzbetrachtung einbezogen, führt die sachverständige Antragsgegnerin aus und substantiiert und belegt die Darstellung der Fehleinschätzung der Planfeststellungsbehörde in Auseinandersetzung mit deren Vortrag im Schriftsatz vom 20.1.2023:

 

Behauptung des Vorhabenträgers in Antwort vom 20.1.23 S.14 Abs.2:

„Die Vertikaldrains nehmen ausschließlich räumlich verdrängtes Wasser auf, das übrige Wasser verbleibt im Boden; der Boden bleibt dabei nass. Der Raum wird durch die Vorlastschüttung eingenommen, der organische Boden wie ein Schwamm zusammengedrückt. Die anaeroben Bedingungen im vorhandenen Niedermoorbodengefüge bleiben unberührt und daher erhalten“

 

Dazu Prof. Jurasinski:

„Diese Aussage stimmt so nicht: Es ist davon auszugehen, dass durch das Einbringen der Vertikaldrains bis in eine Tiefe von 8m im 1m-Raster Sauerstoff in den Moorkörper eingetragen wird. Dadurch werden die zuvor ungestörten anaeroben Bodenverhältnisse teilweise zerstört und Oxidationsprozesse beginnen.“

 

Behauptung des Vorhabenträgers in Antwort vom 20.1.23 S.14 Abs.5:

„Austretendes Wasser durch den Lastauftrag enthält kein besonderes zusätzliches CO2. Der verdrängte Raum (Wasser) wird per Vertikaldrainage entspannt, die Bodenmaterialien bleiben liegen. 

 

Antwort durch Herrn Prof. Dr. Jurasinski bereits im Schriftsatz der KlägerInnen ausgeführt:

„Diese Aussage ist falsch. Das ausgepresste Moorwasser enthält Huminsäuren und -stoffe in nicht unerheblichen Mengen. Das Porenwasser ist gesättigt mit POC (partikulärem organischen Kohlenwas- serstoff) und DOC (gelöstem organischen Wasserstoff). Die anschließende Oxidation dieser Frachten zu letztendlich CO2 findet nachfolgend in der aeroben Umgebung außerhalb des Moorbodens statt (neben der unmittelbaren Umgebung in den Vertikaldrains auch in der Vorflut bzw. den Oberflächengewässern).“

 

Behauptung des Vorhabenträgers in Antwort vom 20.1.23 S.14 Abs.5:

„..organischen Boden gebundenen CO 2 in irgend geartete andere Form von CO2 zur Folge. Das ist physikalisch ausgeschlossen. Druck befreit gebundenes CO 2 nicht aus der gebundenen Form und führt zu keiner Löslichkeit in Wasser. Druck erhöht vielmehr die Beständigkeit des gebundenen CO 2 bis hin zur festesten bekannten Form, genannt Diamant.“

 

Kommentar dazu von Herrn Prof. Jurasinski:

„Es geht nicht um die Umwandlung von „gebundenem“ CO2 in „irgend geartete andere Form von CO2 sondern um die Umwandlung von organisch gebundenem Kohlenstoff über die Mineralisierung zu CO2. Der Torfkörper besteht zu großen Anteilen aus organisch gebundenem Kohlenstoff. Störungen des Torfkörpers und des sensiblen Komplexes der physikalischen und biogeochemischen Bedingungen führen sehr wahrscheinlich zu einer Verstärkung der Umsetzungsprozesse und damit zu Emissionen von CO2.“

 

Behauptung des Vorhabenträgers in Antwort vom 20.01.23 S.14 Abs.9:

„..das durch die Vorlastschüttung hervorgedrückte Wasser füge dem betroffenen Oberflächenwasserkörper Verschlechterung zu. Die Aussage des herangezogenen Sachverständigen Jurasinski, die CO2 Umwandlung finde im „gut belüfteten Wasser“ statt, ist naturwissenschaftlich nicht korrekt. CO2 wird wegen Entwässerung (also Trockenfallen) anaerober Böden freigesetzt, und zwar aus dem Boden heraus, nicht aus dem Drainagewasser, dass beim Trockenlegen abgeführt wird.“

 

Kommentar von Professor Jurasinski:

„Der Behörde ist offensichtlich nicht klar, dass das Drainagewasser erhebliche Frachten an POC und DOC enthält. Beim Ableiten in die Vorflut (Gräben der Baumaßnahme) findet in Anwesenheit von Sauerstoff die Oxidation der gelösten und ungelösten Kohlen-stoffverbindungen (DOC und POC) zu CO2 statt.“

Weiter kommentiert Herr Prof. Dr. Jurasinski: „Es gibt wissenschaftliche Publikationen zum Einfluss von Straßen auf Moore, die 2021 sehr gut zusammenfassend diskutiert wurden (Williams-Mounsey et al. 2021). Insbesondere Veränderungen der Ökohydrologie werden hierbei als Auslöser für erhöhte Treibhausgasemissionen herausgearbeitet.“

 

Behauptung des Vorhabenträgers in Antwort vom 20.1.23 S.15 Abs.2:

„Sollte es zu einer Wiedervernässung des durch die Vorlastschüttung zusammengedrückten, aber an Ort und Stelle verbleibenden Niedermoorboden kommen (hypothetischer Ansatz, nach politischen Vorgaben wie der Landesmoorstrategie nicht mehr ausgeschlossen), würde er gleich einem Schwamm das hinzukommende Wasser aufnehmen und in seiner alten Form als nasser Boden weiter liegen, das nach wie vor schon jetzt enthaltene CO 2 -speichernd. Gerade der unwiederbringliche Verlust des Bodens und seines CO 2 -Speichergehaltes wird mit der gewählten Gründungstechnologie vermieden und daher auch planfestgestellt.“

 

Die Bürgerinitiative stellt auf Grundlage der Äußerung von Herrn Prof. Jurasinski fest:

Die Behörde verkennt, dass die Wiedervernässung eines zuvor entwässerten Moores mit natürlicherweise sauerstoffhaltigem Oberflächenwasser erhebliche Auswirkungen auf den Moorboden hat. So verändert z.B. der Sauerstoff im zugeführten Wasser die Redoxpotentiale und setzt damit Abbauprozesse im Boden in Gang s. dazu folgende Veröffentlichung: „Ansteigende Phosphorgehalte im Moorwasser und Moorabfluss sowie abnehmende P- Gehalte im Torf deuten auf eine erhöhte P-Mobilisierung infolge der Wiedervernässung hin. Im Moorabfluss wurden steigende Ammonium-Gehalte nach der Wiedervernässung ermittelt.“(Zitat aus der Zusammenfassung von Tauchnitz, Nadine; Osterloh, Katja; Bernsdorf, Sa- bine; Meissner, Ralph; Kison, Hans-Ullrich, 2010: Veränderung der Wasser- und Nährstoffdynamik eines entwässerten Moores im Nationalpark Harz nach Wiedervernässung. TELMA40 - Berichte der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde, Band 40: 229- 244, DOI: 10.23689/fidgeo-3009.).

 

Weiterhin merkt Herr Prof. Dr. Jurasinski in seiner Email zu den Äußerungen der Behörde 16.02.2023 an: „Außerdem verändert der Straßendamm die Hydrologie des Moorkörpers und kann je nach Lage zu deutlichen Veränderungen der Wasserversorgung im Torfkörper führen (siehe dazu auch Williams-Mounsey et al. 2021 und darin zitierte Arbeiten zur veränderten Moorhydrologie durch Straßenbauten).

 

Behauptung des Vorhabenträgers in Antwort vom 20.1.23 S.15 Abs.4:

„Das aus den Vertikaldrains abzuführende Wasser enthält kein zusätzlichen, durch die Vorlast erzeugtes CO 2 .

Die Planunterlagen U1 Erläuterungsbericht Anlage 6 geben keinen Aufschluss über den Ausbau der Vertikaldrainage und deren hydrologische Wirksamkeit.

 

Herr Prof. Dr. Jurasinski kommentiert diese Äußerungen der Behörde mit den folgenden Worten :

“Zudem existiert offenbar behördlicherseits Unkenntnis darüber, dass sich erhebliche DOC- und POC-Gehalte im Porenwasser eines Moorkörpers befinden s.o.) bzw. durch die Belastung der Vorlastschüttung aus der festen Phase neu erzeugt werden.

 

Behauptung des Vorhabenträgers in Antwort vom 20.1.23 S.15 Abs.8:

„Die planfestgestellte Gründungstechnologie steht dem Moorschutz im Kontext des Schutzes des Bestandes nicht entgegen. Ob das Vorhaben einem Entwicklungspo tential der Starsower Niederung zur Wiedervernässung der seit 40 Jahren devastierten, weil für landwirtschaftliche Nutzung entwässerten Flächen entgegensteht und daher in Frage stehen müßte, kann innerhalb der Zeit der gesetzten Frist für die Auseinandersetzung mit der Antragserwiderung nicht vertieft fachlich geklärt werden. Das ist im Eilverfahren so auch nicht erforderlich. Den Anforderungen einer überschlägigen Prüfung dürfte die reine Logik der Physik, die sich aus der gewählten Technologie und den Parametern des Dammes in der Starsowniederung ermitteln läßt und der örtlichen Hydrogeologie angepaßt bemaßt ist, genügen.

 

Antwort der Bürgerinitiative basierend auf Aussagen von Herrn Prof. Jurasinski und Veröffentlichungen zum Thema:

Eine Wiedervernässung eines durch den Bau von Dämmen und Straßen gestörten Moorkörpers hat erhebliche hydrodynamische Auswirkungen auf den Moorköper und eine Veränderung der Wasser- und Nährstoffdynamik zur Folge. So wurden in einem entwässerten Moor im Nationalpark Harz nach Wiedervernässung „Ansteigende Phosphorgehalte im Moorwasser und Moorabfluss festgestellt, abnehmende P-Gehalte im Torf deuten auf eine erhöhte P-Mobilisierung infolge der Wiedervernässung hin. Im Moorabfluss wurden steigende Ammonium-Gehalte nach der Wiedervernässung ermittelt.“(Zitat aus der Zusammenfassung von Tauchnitz, Nadine; Osterloh, Katja; Bernsdorf, Sabine; Meissner, Ralph; Kison, Hans-Ullrich, 2010: Veränderung der Wasser- und Nähr- stoffdynamik eines entwässerten Moores im Nationalpark Harz nach Wiedervernässung. TELMA40 - Berichte der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde, Band 40: 229- 244, DOI: 10.23689/fidgeo-3009.). Ein weiterer Aspekt, der Baumaßnahmen in Moorkörpern in Frage stellt und die Irreversibilität eines solchen Baus aufzeigt, ist, dass Eingriffe in einen Moorkörper durch die Wiedervernässung eines anderen gestörten Moorkörpers nicht kompensiert werden können. Daher kann die Maßnahme E2 auch diesen Eingriff in die Starsow Niederung auch nicht ausgleichen.

 

„Außerdem verändert der Straßendamm die Hydrologie des Moorkörpers und kann je nach Lage zu deutlichen Veränderungen der Wasserversorgung im Torfkörper führen (siehe dazu auch Williams-Mounsey et al. 2021 und darin zitierte Arbeiten zur veränderten Moorhydrologie durch Straßenbauten).“

 

 

 

Die verwendeten Literatur-Quellen werden zur Glaubhaftmachung beigefügt:

 

-Williams-Mounsey et al. 2021: A review of the effects of vehicular access roads on peatland ecohydrological processe, beigefügt als Anlage AG 3

 

-Zusammenfassung von Tauchnitz, Nadine; Osterloh, Katja; Bernsdorf, Sabine; Meis- sner, Ralph; Kison, Hans-Ullrich, 2010: Veränderung der Wasser- und Nährstoffdy- namik eines entwässerten Moores im Nationalpark Harz nach Wiedervernässung.

 

-  TELMA40 - Berichte der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde, Band 40:S 229 - 244, DOI: 10.23689/fidgeo-3009, beigefügt als Anlage AG 4