Wir fordern:                                         Keine neuen Megahühnerställe zwischen Mirow und Peetsch!


Offener Brief

An unsere Vertreter in den Ämtern des Landkreises der Mecklenburgischen Seenplatte, der Gemeinde der Mecklenburgischen Kleinseenplatte, der Stadt Mirow mit seinem Bürgermeister und allen Bürgern und Bürgerinnen,

Landkreis, Gemeinde und Stadt, vertreten durch ihre gewählten Vertreter stehen vor Entscheidungen, bei denen die Zukunft unserer Region im Mittelpunkt steht. Der Bau einer industriellen Legehennenanlage für „BIO“-Eier mit 12.000 Hennen einschließlich zwei Kotlagern und zwei Futtersilos in der Gemarkung Peetsch direkt vor den Toren der Stadt Mirow wäre eine vollkommen rückwärtsgewandte Politik, die in der heutigen Zeit nicht mehr erklärbar ist und keine nachhaltigen Vorteile bietet.

 

Mit den folgenden Themen richten wir den Blick auf das Wohl der Allgemeinheit. Die Errichtung und der Betrieb einer weiteren Legehennenanlage ist keine zukunftsweisende Entwicklung.

 

Massentierhaltung:

 

Das einzelne Tier ist vollkommen in den Hintergrund geraten und ist eine Massenware geworden. So sprechen wir bei einer industriellen Legehennenhaltung, auch dann, wenn es BIO ist, nur noch über die Legeleistung pro Huhn und nicht mehr von lebendigen Tieren. Das Wohl des Tieres steht bei dieser Entwicklung im Hintergrund und spielt keine Rolle mehr. Es handelt sich hierbei schlichtweg um Tierquälerei. Können wir diese Wertehaltung vor unseren Kindern vertreten? Viele junge Leute steigen bereits jetzt schon aus und ernähren sich vegetarisch oder sogar vegan. Wir haben es mit wachsamen, jungen Menschen zu tun, die keine Spinner sind!

 

In Mecklenburg-Vorpommern findet seit zehn Jahren ein Konzentrationsprozess in der Tierhaltung, auch zu besonders großen Intensivtierhaltungsanlagen statt. Durch die hohe Konzentration innerhalb der industriellen Massentierhaltung, gekennzeichnet durch die nicht artgerechten Haltungsbedingungen und die zu hohe Anzahl der Tiere je Stalleinheit besteht ein erhöhtes Risiko der Beeinträchtigung von Umwelt und Anwohnern und in unserer Region insbesondere des Tourismus.

 

Je größer die Bestände sind, desto schwerwiegender werden die Folgen für die Umweltmedien, die Gesundheit der Tiere, deren Lebensdauer bzw. Lebensleistung sowie die Qualität der tierischen Erzeugnisse.

Eine suggerierte BIO-Legehennenanlage mit 12.000 Legehennen ändert daran nichts.

 

Die Massentierhaltung auf engstem Raum wirkt sich negativ auf die Tiere und auch auf die Umwelt aus. So tragen gewaltige Mengen an Gülle und der Ammoniakausstoß der Anlagen dazu bei, Böden, Biotope, Grundwasser, Seen und Flüsse permanent mit Nitrat zu überdüngen. Obwohl in Mecklenburg-Vorpommern mittlerweile auf neun Prozent der Landwirtschaftsfläche ökologischer Landbau betrieben wird, ist das Grundwasser stark gefährdet: An fast jeder fünften der 260 Messstellen im Land wird der zulässige Grenzwert von 50 Milligramm je Liter überschritten.

 

Umweltschutz:

 

Im Grundwasser sind durchschnittlich zu hohe Nitratwerte durch Düngeeinsatz und Massentierhaltung nachgewiesen. Selbst wenn der Geflügelkot in eine der Biogasanlagen kommen sollte, bleiben hohe Stickstofffrachten im Gärrest, die flächenwirksam ausgebracht werden müssen. Laut Aussage des zukünftigen Betreibers soll der Tierkot als Bio-Dünger genutzt werden. Dies führt demnach zu einem deutlich höheren Eintrag an Nitrat ins Grundwasser.

 

Wegen der anhaltend hohen atmosphärischen Stickstoffeinträge geraten immer mehr Waldökosysteme in den Zustand einer Stickstoffsättigung. Ist die Nitratkonzentration im Bodenwasser größer als der Bedarf der Pflanzen und Mikroorganismen, verliert das gesättigte System Nitrat mit dem Sickerwasser und belastet damit Grund- und Oberflächenwasser. Stickstoff hat sich deshalb auf vielen Standorten in der Beurteilung vom Nähr- hin zum Problemstoff entwickelt. Die Schwierigkeiten reichen von Ernährungsungleichgewichten im Baum bis zu Versauerung und Basenverlusten auf Grund von Auswaschung sowie Trinkwasserbelastung. Unmittelbar in der Nähe der geplanten Anlage befindet sich ein Wald mit Übergang in das Landschaftsschutzgebiet und Naturschutzgebiet Mirower Holm sowie mit weniger als 150 Meter Entfernung ein ausgewiesenes und geschütztes Biotop, welche hierdurch in Mitleidenschaft gezogen werden. Des Weiteren befinden sich in unmittelbarer Nähe zwei durch die EU ausgewiesene Flora Fauna Habitat Gebiete (Mirower Holm und Kleinseenlandschaft zwischen Mirow und Wustrow).

 

Gesundheit:

 

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sterben in Deutschland jährlich mehr als 2000 Menschen an Infektionen mit antibiotikaresistenten Keimen. Die Entstehung solcher Erreger wird dadurch begünstigt, dass in der Massentierhaltung große Mengen Antibiotika zum Einsatz kommen. Vor allem in der Geflügelzucht ist dies gängige Praxis, dort werden zudem vielfach sogenannte Reserveantibiotika verabreicht, die eigentlich nur dann verwendet werden sollen, wenn andere Antibiotika wirkungslos sind. Die Gesundheitssysteme stehen diesbezüglich vor nahezu unlösbaren Problemen, da wichtige Medikamente aufgrund der Resistenzen längst ohne Wirkung bleiben.

 

Laut einer Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie von rund 120.000 vorzeitigen Todesfällen verursacht Feinstaub offenbar mehr Todesfälle als bisher angenommen. Die Landwirtschaft gilt demnach als Hauptverursacher. Mit einem Anteil von etwa 45 Prozent gilt den Forschern zufolge die Landwirtschaft und dabei vor allem die Massentierhaltung als Hauptverursacher für die in Deutschland herrschende Feinstaubbelastung. Der Grund: Ammoniak entweicht durch die Zersetzung von Gülle und durch die Düngung von Nutzpflanzen in die Atmosphäre und verbindet sich dort mit anderen Gasen wie Schwefel- und Salpetersäure. Daraus entstehen Feinstaubpartikel.

 

„Die Massentierhaltung führt zu Ammoniak, Ammoniak führt zu Feinstaub, und Feinstaub führt zu vorzeitigen Todesfällen“. Dieser Zusammenhang sei unter Experten seit Jahren bekannt. Bereits eine frühere Studie des MPI zeigte auf, dass die Senkung landwirtschaftlicher Ammoniakemissionen die Sterblichkeit durch Luftverschmutzung erheblich reduzieren kann. (aerzteblatt.de, vom 17.01.2019)

 

Deutschland hatte sich im Jahr 2001 verpflichtet, die Ammoniakemissionen ab 2010 unter einen Wert von 550.000 Tonnen pro Jahr zu begrenzen. Tatsächlich aber wird der Wert seit Jahren regelmäßig überschritten. Eine erhöhte Belastung mit Feinstaub steht im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen.

 

Tourismus:

 

Unter den Bedingungen der industriellen Tierhaltung leiden nicht nur die Tiere. Durch den Bau und die Konzentration immer neuer Anlagen vor allem im ländlichen Raum, wie bei uns in Mecklenburg-Vorpommern, leiden auch Anwohner, Umwelt, Infrastruktur, andere Wirtschaftszweige sowie das Image ganzer Regionen, so bestätigt durch das Bündnis 90 / Die Grünen.

 

Der naturnahe Tourismus ist eines der großen Entwicklungspotenziale ländlicher Räume. Hier entstehen sichere, standortgebundene Arbeitsplätze. Dazu müssen aber die Naturräume ihre touristische Attraktivität bewahren.

 

In Mecklenburg-Vorpommern haben viele engagierte Bürgerinnen und Bürger in den letzten 25 Jahren investiert und sich mit kreativen Ideen und Projekten selbständig gemacht. Sie tragen so zu attraktiven Dörfern und einem lebenswerten ländlichen Raum bei. Dieses Engagement in den Bereichen Tourismus, Kultur, Denkmalschutz, Bildung und bäuerlicher Landwirtschaft ist durch den Bau neuer industrieller Tierhaltungsanlagen gefährdet. Sie tragen nämlich nicht zu einem Mehrwert im volkswirtschaftlichen Sinne bei, sondern zerstören oft sogar Ansätze regionaler Wertschöpfung. Immobilien- und Grundstückspreise sinken, Anwohner leiden unter Gestank, Straßen gehen kaputt, das Image von Dorfidylle, Natur und Erholung leidet. Der landesweite Anspruch eines „Gesundheitslandes MV“ wirkt da nur noch zynisch.

 

Industrielle Tierhaltungsanlagen verschandeln die Schönheit des Landschaftsbildes und verpesten die frische Luft ländlicher Regionen. Der Gestank belästigt die Anwohner und die Abluft enthält zudem oft Keime. Der Schwerlastverkehr – Futter-, Tier- und Gülletransporte – stört die Ruhe und Idylle und macht die Straßen der Gemeinden und Kreise kaputt.

 

Die Stadt Mirow ist bereits seit dem Jahr 2005 als „Staatlich anerkannter Erholungsort“ ausgezeichnet. Eine Mischung aus malerischer Natur und historischem Ambiente prägen den Ort. Bekannt als Naturerlebnisregion und als Paradies für Wassersportler besuchen jährlich mehr als 2.8 Mio. Touristen diese Region. Seit 2019 haben nun endlich auch die Ortsteile um Mirow die Anerkennung als „Staatlich anerkannter Erholungsort“ erhalten. Bei mehr als 1.2 Mio.  Ankünfte und deutlich über 4.7 Mio. Übernachtungen in Reisegebiet Mecklenburgische Schweiz und Seenplatte ist der Tourismus der bedeutendste Wirtschaftsfaktor, welchen wir mittel- und langfristig durch die Entscheidungen zur Massentierhaltung in unserer Region und generell in Mecklenburg-Vorpommern schädigen werden.

 

Voraussetzung für den Erholungsort ist eine auf Tourismus angelegte Infrastruktur. Schon jetzt können sie sich in der Region auf eine kurze, aber erschreckende Rundfahrt zu 8 Anlagen der Massentierhaltung begeben. Wir starten in Mirow Richtung durch Lärz, dann von der 198 kommend an der Gaarzer Mühle vorbei nach Neu Gaarz. Wieder nach Lärz angekommen abbiegen nach Krümmel über Troja und Buschhof weiter in Richtung Schwarz und zurück nach Mirow.

 

Die touristische Wertschöpfung beträgt im Jahr 4,1 Miliarden Euro und macht damit zwölf Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung in Mecklenburg-Vorpommern aus. Davon werden 3,3 Milliarden Euro direkt durch Tourismusunternehmen erbracht.

 

Einen großen Teil seiner Attraktivität bezieht Mecklenburg-Vorpommern aus der Vielfalt seiner Äcker, Wiesen und Weiden mit Bauminseln, Hecken und Kleingewässern. Die landwirtschaftliche Nutzfläche umfasst rund 63 Prozent der Landesfläche. Die weit weniger idyllische Seite der Landwirtschaft bilden die sehr großen, konzentrierten Nutztierbestände. Die Mast- und Zuchtanlagen in Mecklenburg-Vorpommern gehören jedoch zu den größten Deutschlands.

 

Hinsichtlich der wirtschaftlichen Bedeutung für das Land Mecklenburg-Vorpommern trägt die Landwirtschaft 3,9 Prozent zur Bruttowertschöpfung im Land bei. Die Zahl der Arbeitskräfte ist mit ca. 18.000 Beschäftigten sehr gering. Laut der Heinrich Böll Stiftung Mecklenburg-Vorpommerns, dominiert in unserem Land die Massentierhaltung. Die Grundwasserbelastung ist enorm, Arbeitsplätze entstehen kaum, aber die Landesregierung fördert unverdrossen weiter.

 

Wirtschaft:

 

In Mecklenburg-Vorpommern lebten 2016 bereits mehr als 12.3 Mio. Schweine Hühner und Rinder in über 550 Massentierhaltungsanlagen. Dem stehen 1.6 Mio. Einwohner gegenüber. Seit 2016 wurden weitere Anlagen geplant, gebaut und in Betrieb genommen. Die Anzahl der Tiere pro Anlage ist nach oben hin nicht begrenzt, so dass in Mecklenburg-Vorpommern allein 966.000 Hühner in einer Anlage leben. Laut einer kleinen Anfrage der Bündnis 90/Die Grünen entwickelt unser Landwirtschaftsminister Till Backhaus Mecklenburg-Vorpommern zum El Dorado für Massentierhaltung. Offensichtlich ist unser Bundesland, so Frau Gerkan der BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Landtagsfraktion für Großinvestoren der industriellen Tierhaltung sehr interessant. Die Entwicklung ist besorgniserregend. Die Landesregierung und an ihrer Spitze der Agrar- und Umweltminister Till Backhaus gehören zu den führenden Förderern der industriellen Tierhaltung. Das steht im klaren Widerspruch zu den Zielen eines Tourismus- und Gesundheitslandes Mecklenburg-Vorpommern, das die Landesregierung immer wieder proklamiert.

 

Seit Herbst 2020 ist nach Angaben aus dem Schweriner Landwirtschaftsministerium in 14 Haltungen Geflügelpest

festgestellt worden.

 

Seitdem wurden etwa 230.000 Tiere notgetötet.

 

Die Tierseuchenkasse MV entschädigte die Halter hierfür mit ca. 3,4 Mio. Euro. Entschädigungen in Millionenhöhe, die an Investoren und Unternehmen die Ihren Hauptsitz außerhalb von Mecklenburg-Vorpommern haben.


Jedes aufgeführte Thema ist brandaktuell und erfordert seit Jahren schon kluge und zukunftsweisende Antworten, die bisher größtenteils ausgeblieben sind und die wir jedoch als demokratische und aufgeklärte Gesellschaft auch hier vor Ort entwickeln müssen. Wir müssen die Chancen erkennen, die sich insbesondere durch die politischen Neuausrichtungen bieten. In unserer Region können wir einen aktiven Beitrag leisten und diese Ausrichtung konstruktiv mitgestalten.

Wir als Gemeinschaft und unsere gewählten Entscheidungsträger haben eine gemeinsame Verantwortung für die Ausrichtung und Entwicklung einer zukunftsfähigen Region, die auch für die kommenden Generationen eine vernünftige Lebensgrundlage und Lebensqualität bietet.

 

Aus diesen Gründen setzt die BI Mirow gegen Massentierhaltung ein Zeichen.

 

Und aus diesen Gründen wünschen wir uns, dass die Stadt Mirow mit seinen Ortsteilen, seinen gewählten Vertretern, dem Bürgermeister der Stadt Mirow, die Gemeinde Mecklenburgische Kleinseenplatte gemeinsam mit seinen Bürgerinnen und Bürgern sowie die Bürgerinitiative ein klares Signal gegen dieses geplante Vorhaben setzen, das auf Einzelprofit ausgerichtet ist und auf keinen Fall dem Allgemeinwohl der Bevölkerung insbesondere in und um Mirow dient.


Gezeichnet: Bürgerinitiative – Mirow gegen Massentierhaltung


Die Seiten werden regelmäßig aktualisiert. Bleiben Sie wachsam...